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Das Karlsruher Hügelland, das zum Kraichgau und zum Nordschwarzwald gehört, ist eigentlich ein Felsenland. Das  ist aber nicht augenfällig, denn die Felsen sind von mächtigen Lössschichten überdeckt. Nur an wenigen Stellen tritt der Fels zutage. Einige davon zeigen wir Ihnen.

Steinbruch an der BAB8 bei Hohenwettersbach - Foto: Umwelt- und Arbeitsschutz

Wir beschreiben zunächst einige Stellen an denen man das anstehende Gestein sehen kann und geben vereinfachte Erläuterungen. Wenn Sie mehr wissen wollen, dann lesen Sie den unteren Teil

Aufschlüsse des Muschelkalks

Reithohle:

Auf rund 150 m Länge sind verschiedene Schichten des Muschelkalks aufgeschlossen. Auch ohne Fachkenntnisse lassen sich Unterschiede erkennen: An einer Stelle (ca. 150 m nach Beginn der Hohle) lassen sich scharf abgegrenzte Steinbänder erkennen. Hier wird anschaulich, dass die Schichten in Richtung Rheingraben ansteigen, dass also die Erdoberfläche hier angehoben wurde.

Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Ca. 70 m weiter liegt ein größerer Gesteinsbereich frei der eine ganz andere Struktur aufweist. Es handelt sich um den sogenannten Wellenkalk. Seinen Namen trägt er, weil die Schichtflächen nicht eben, sondern wulstig gewellt sind und das Gestein in unregelmäßige Stäbchen zerfällt.  Die am oberen Rand bogenförmig aufgeworfenen Wellenkalkplatten gehen auf eine Störung zurück.

Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz
 

Wenn Sie sich am Ende der Reithohle links halten, Richtung Naturfreundehaus, gelangen Sie nach 600 Metern die Hattenkellenhohle. Dort gehen Sie nach links (abwärts), Nach rund 100 Metern sehen Sie auf der rechten Seite einen Aufschluss.

Hattenkellenhohle

Es handelt sich um Wellenkalk. Ein hoher Kalkgehalt macht den Wellenkalk hier besonders hart, so dass sich die namensgebende wellige Oberfläche sehr schön erkennen lässt. Wenige Meter weiter abwärts ist der Wellenkalk wieder angeschnitten. Dort ist er aber mergeliger und deshalb bröckelig und knollig.

Zwischen beiden Stellen steht am Wegrand eine Gruppe auffälliger Pflanzen. Es handelt sich um die  Hirschzunge (Asplenium scolopendrium), einen ungewöhnlichen Farn mit glattrandigen, ledrigen Wedeln. Er wächst an steinigen Hängen und Halden, an Mauern in schattigen und feuchten Lagen.

Oberer Muschelkalkaufschluss
Unterer Muschelkalkaufschluss
Hirschzungenfarn
Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Ein weiterer interessanter Aufschluss liegt in Grötzingen in der oberen Setz. Sie gehen die Hattenkellenhohle abwärts und erreichen nach rund 700  m den Ort. Von dort sind es noch rund 500 Meter. Gehen Sie die Straße Am Liepoldsäcker bis zu ihrem Ende, dann nach links oben, biegen dann links ab (Ziegeleistraße) und gleich wieder nach rechts wo die Straße auch gleich endet. Dort liegt ein Bolzplatz. Den überqueren Sie und stehen vor einer Felswand.

Die Felswand ist Teil eines ehemaligen Steinbruchs der zum großen Teil aufgefüllt ist. Aber eine einige Meter hohe Felswand liegt noch frei. Dort sieht man sehr schön den Übergang von den oberen Schichten des Buntsandstein zum unteren Muschelkalk.

Übergang vom Muschelkalk zum Buntsandstein - Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Aufschlüsse des Buntsandsteins.

Der tiefer liegende Buntsandstein ist vor allem in Steinbrüchen aufgeschlossen.Die meisten sind aber verfüllt, zugewachsen oder liegen auf Privatgelände.

Ein zugänglicher Aufschluss ist der kleine Steinbruch Rotenbüschle bei Hohenwettersbach an der BAB 8. Nebenbei macht man auch die Erfahrung wie laut eine Autobahn ist.

Besonders im Winterhalbjahr, wenn die Gehölze ihr Laub verloren haben, lässt sich das Gestein gut betrachten. Auffällig sind die verschiedenen Farbtöne des Sandsteins, die vom Roten ins Gelbliche und Beige reichen. Aus diesem sogenannten Pfinzsandstein wurden häufig Bausteine für Karlsruher Gebäude verwendet, etwa die Stephanskirche und den Rathausturm. Über den kompakten Sandsteinbänken liegt die Verwitterungsschicht. Hier sind die Bänke schon in dünne Plattenpakete zerfallen, die aus der Wand herausgefallen oder verrutscht sind.

Linse mit "weicherem" Gestein. Die Löcher stammen vermutlich von Wildbienen - Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Geologie und Landschaft in Karlsruhe Sie wird von drei Vorgängen geprägt.

* Bildung von Buntsandstein und Muschelkalk im Erdmittelalter

* Bildung des Oberrheingrabens im Tertiär

* Formung der Landschaft in der Eiszeit (Pleistozän)

Bildung von Buntsandstein und Muschelkalk Der Buntsandstein ist der älteste Zeuge der Erdgeschichte, den wir in Karlsruhe antreffen. Er wurde in einem Zeitalter abgelagert, das man Untere Trias nennt, vor etwa 230 bis 215 Millionen Jahren. Der größte Teil Deutschlands war damals ein im Sinken begriffenes Becken, das von Norden nach Süden flacher wurde. Süddeutschland war ein ausgedehntes trockenes, wüstenhaftes Tiefland, das durchzogen wurde von zahlreichen miteinander vernetzten Flüssen, die in Zeiten heftiger Niederschläge weite Flächen überfluteten und große Mengen Material in das Becken einschwemmten. Aus diesen Ablagerungen entstand bei uns eine 200-400 Meter mächtige Schicht Buntsandstein. Am Ende dieses Zeitalters konnten die Auffüllungen das Absinken des Untergrundes nicht mehr ausgleichen, so dass sich das Becken vertiefte und das Meer einbrach und bis nach Süddeutschland vordringen konnte. Für rund 70 Millionen Jahre bildete sich ein flaches Binnenmeer, von einigen Unterbrechungen abgesehen. Durch Ausscheidung aus dem Wasser, Ablagerung von Schwebstoffen und die Einschwemmung gröberen Materials aus Flüssen, haben sich in dieser Zeit mächtige Gesteinsschichten des Muschelkalk gebildet. Je nach Klima und der Zusammensetzung der Ablagerungsstoffe sind verschiedene Gesteine entstanden. Während der ersten 10 Millionen Jahre, bis vor etwa 205 Millionen Jahren bildete sich Muschelkalk in einer Mächtigkeit von 100-150 Meter (in Württemberg bis 300 Meter). Reste davon sind in Karlsruhe am Turmberg und am Knittelberg vorhanden. Nach dem Muschelkalk bildeten sich 10 Millionen Jahre lang Keuperschichten von rund 300 Meter Dicke, danach 50 Millionen Jahre lang die Juragesteine. Zuerst der Schwarze Jura (auch Lias genannt), 100-200 Meter mächtig, danach der Braune Jura (rund 200 Meter) und dann der Weiße Jura (bis 400 Meter mächtig). Danach hob sich der Untergrund und es folgte eine Festlandsperiode, die bis heute anhält. Nach dem Rückzug des Meeres waren die Ablagerungen der Abtragung ausgesetzt. Zunächst war das Gebiet eine riesige Hochfläche, die über dem heutigen Rheingraben ihre höchsten Erhebungen hatte und von dieser Scheitellinie nach Westen und Südosten sanft abfiel

Bildung des Rheingrabens: Vor rund 50 Millionen Jahren begann sich, viele Kilometer unter der Erdoberfläche, der Erdmantel im Raum von Lothringen bis Schwaben aufzuwölben, was Folgen hatte: Zum einen wurden die oberen Gesteinsschichten abgetragen, je höher sich die Erdkruste aufwölbte, umso stärker war dieser Vorgang. Zum anderen wurde die Erdkruste emporgehoben und gedehnt, es entstanden Spannungsrisse. Am stärksten im Scheitel der Wölbung dem heutigen Rheingraben. Schließlich brach der Scheitelbereich ein und die Ränder bewegten sich auseinander, so dass ein Graben entstand. Da das Zentrum der Aufwölbung im Bereich des Kaiserstuhls lag, wurden die südlichen Grabenränder (Schwarzwald, Vogesen) stärker herausgehoben als die nördlichen (Pfälzer Wald, Kraichgau, Odenwald). Auch sonst ist die Struktur des Grabens keineswegs einheitlich, sondern stark zergliedert. Die Erdkruste zerbrach in zahlreiche Schollen, die unterschiedlich schnell absackten, gedreht oder gekippt wurden. Als sich der Rheingraben bildete, war der Weiße Jura bereits abgetragen, aber der Braune und Schwarze Jura und alle darunterliegenden Schichten sind noch im Graben erhalten. An den tiefsten Stellen ist der Graben etwa vier Kilometer tief abgesunken Parallel mit der Senkung des Grabens verlief auch seine beständige Auffüllung mit dem Verwitterungsschutt des Einzugsgebietes. Dieser überdeckte die absinkenden Schollen und schützte sie vor weiterer Abtragung. Mehrfach brach in den Graben auch das Meer ein. Vor etwa 30 Millionen Jahren bildete der Graben eine schmale Wasserstraße, die die Nordsee mit dem Mittelmeerbecken verband. An den Grabenrändern sind die jüngeren Schichten bis zum Keuper bereits abgetragen.

Formung der Landschaft im Eiszeitalter

Die Lössschicht, die die Landschaft des Karlsruher Hügelgebietes formt, entstand erst sehr viel später während des Eiszeitalters (Pleistozän) das vor 2,6 Millionen Jahren begann und vor 1000 Jahren endete.

Entstehung von Gesteinen

Gesteine können auf verschiedene Weise entstanden sein:

Magmatische Gesteine, durch Erstarren aus glutflüssiger Schmelze. Das geschieht in tieferen Erdschichten (Tiefengesteine, z.B. Granit) oder an der Erdoberfläche bei Vulkanausbrüchen (Ergussgesteine, z.B. Basalt). Sedimentgesteine, aus Ablagerungen. Das abgelagerte Material stammt selbst wiederum aus älteren Gesteinen, die im Bergland zu Gesteinsbrocken verwittern und durch Flüsse transportiert werden.

Metamorphe Gesteine, durch tektonische Vorgänge der Erdkruste in tieferen Bereichen. Dort werden sie durch Temperatur und Druck in andere Gesteine umgewandelt, z.B. Kalkstein in Marmor. Durch Hebungsvorgänge können sie wieder an die Oberfläche gelangen.

Auf Karlsruher Gemarkung stehen ausschließlich Ablagerungsgesteine an. Sie können sich aus Gesteinspartikeln oder durch Ausscheidung aus dem Wasser gebildet haben. - Beim Transport im Fluss werden Gesteinsbrocken zu Partikeln unterschiedlicher Größe zerkleinert und zerrieben. Aus sehr feinkörnigem Schlamm (etwa 2/1000 mm) entsteht Tonstein, aus grobkörnigem Sand (0,2-2 mm) entsteht Sandstein. Während der Sandstein aus Quarzkörnern besteht, werden die Tonpartikel aus verschiedenen Mineralien gebildet. - Zahlreiche Stoffe werden bei der Verwitterung im Wasser gelöst, zum Beispiel Kalk. Algen und Tiere, wie Einzeller, Korallen und Muscheln, bilden daraus ihre Skelette und Schalen. Wenn sich ihre Ablagerungen verfestigen, wird daraus Kalkstein. Durch Einlagerung von Magnesium bildet sich aus dem Kalk Dolomitgestein. Ablagerungsgesteine sind meistens aus Ton, Kalk (Dolomit), Sand oder Mischungen aus diesen Komponenten entstanden. Gestein, das aus einer Mischung von Kalk bzw. Dolomit mit Ton entstanden ist, heißt Mergel.

Anfahrt

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Grötzingen: Mit der Linie 1 bis Durlach Turmberg (Endstation). Mit dem Bus 21 nach Grötzingen bis zur Haltestelle Rathaus. Von dort der Niddastraße aufwärts folgen bis zum Laubplatz, dort nach rechts in die Friedrichstraße und bald wieder nach links in die Straße Reithohl die zur gleichnamigen Hohle führt. Dann weiter wie im Tipp beschrieben.

Alternativ mit dem Bus 21 eine Haltestelle weiter (Karl-Leopold-Straße) zur Oberen Setz und von dort über die Hattenkellenhohle und die Reithohle wieder zurück. 

Man kann auch mit verschiedenen Straßenbahnlinien bis zum Bahnhof Grötzingen fahren, von dort zu Fuß über das Rathaus zur Reithohle gelangen oder mit den Bussen 21 oder 22 zum Rathaus und von dort zu Fuß. 

Hohenwettersbach: Vom Vorplatz des Hauptbahnhofes aus mit den Buslinien 44 bis Haltestelle Taglöhnergärten- Dann zu Fuß weiter, die Schilling-von-Cannstadt-Str. abwärts, kurz vor der Mündung auf die Kreisstraße nach Wettersbach nach rechts, am Sportplatz vorbei zur BAB 8. Von dort sind es noch rund 300 m bis zu dem kleinen Steinbruch. 

Oder mit der Linie1 zur Haltestelle Turmberg (ebenso Karl-Weysser-Str., und Schlossplatz), weiter mit der Buslinie 24 bis zur Haltestelle Taglöhnergärten. Zu Fuß weiter wie oben beschrieben.

 

Mit dem Fahrrad 

sind alle Stellen auf befestigten Wegen (meist asphaltiert) zu erreichen. Allerdings sind einige, auch längere Steigungen zu bewältigen, es ist recht anstrengend.

Für Rollstühle oder Kinderwagen

sind diese Ziele wegen der Steigungen kaum geeignet.