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Hardtwald im Mai

Wenn man vom Adenauerring in die Stutenseer Allee spaziert, kann man auf rund 1,5 km vieles sehen, was typisch für den Hardtwald ist. Uralte einheimische Eichen, den Kiefernwald, blühende Säume. Auch  fremdländische Pflanzen wie die Rot-Eiche, die hier angepflanzt wurde oder die Problemarten Spätblühende Trauben-kirsche und  Kermesbeere, die die Waldverjüngung behindern. Den besten Eindruck erhält man, wenn man den Spaziergang zu verschiedenen Zeiten im Jahr unternimmt. Deshalb gibt es den Tipp auch für den Sommer und den Herbst. In jedem Tipp erfahren Sie etwas Neues.

Die vorgeschlagene Strecke ist rund 2 km lang (ohne Rückweg).
Der Spaziergang beginnt an der Stutenseer Allee beim Adenauerring.
Nach ca. 300 m erreichen Sie den Kanalweg. Linker Hand steht eine Gruppe älterer Rot-Eichen.

Die Rot-Eiche (Quercus rubra) stammt aus Nordamerika und lässt sich leicht von den einheimischen Eichen unterscheiden: Die Blätter sind wie bei einheimischen Eichen gelappt (gebuchtet), aber die Buchten laufen alle spitz aus, bei den einheimischen Eichen dagegen rund. Wir werden ihr noch öfter am Wegrand begegnen.

Blatt der Roteiche
Blätter von Traubeneiche (links) und Roteiche
Sämling der Roteiche
Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Circa 50 Meter vom Kanalweg entfernt sehen wir rechts eine Anpflanzung. Dort steht Besenginster.

Der Besenginster ist ein Strauch, der ab Mai, im warmen Karlsruhe in geschützten Lagen auch früher, durch seine kräftig gelben Schmetterlingsblüten auffällt. Der Besenginster fühlt sich wohl in den trockenen Sanden der Hardtplatten. Er ziert dort besonnte Wegränder und Böschungen. Er gehört zu den Schmetterlingsblütlern. Wie auch andere Vertreter dieser Pflanzenfamilie, reichert er, dank seiner Knöllchenbakterien, den Boden mit Stickstoff an. Er zählt dadurch zu den Pioniergehölzen, die Böden für „anspruchsvollere“ Arten vorbereiten. Der Besenginster ist in allen Pflanzenteilen giftig. Verantwortlich dafür sind Alkaloide, die Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen können.

Beim näheren Betrachten fallen Ihnen der sparrige Wuchs und die kleinen Blätter auf. Die kleinen Blätter sind – ebenso wie das tiefe Wurzelwerk - eine  Anpassung an den trocken-warmen Wuchsort: die kleinen Blätter reduzieren die Verdunstung der Pflanze und die tiefen Wurzeln machen sich Feuchtigkeit aus tiefen Bodenschichten zugänglich. Durch die Wuchsform zählt die Pflanze zu den Rutensträuchern, die wiederum charakteristisch sind für das Mittelmeer- und Seeklima. Die Wuchsform gab der Pflanze aber auch den Namen: Die sparrigen Triebe eigneten sich früher hervorragend für die Hausarbeit - man nutzte sie als Besen.

Besenginster
Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Zu beiden Seiten des Weges sehen Sie vereinzelt kleine, unscheinbare Bäumchen mit schmal eiförmigen, ledrigen Blättern. Es handelt sich um die Spätblühende Traubenkirsche.

Die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) ist ein kleiner Baum aus Nordamerika.
Die Blätter der Spätblühenden Traubenkirsche sind auf der Oberseite glänzend dunkelgrün.

Man könnte die Art leicht verwechseln mit der einheimischen Gewöhnlichen Traubenkirsche. Deren Blätter glänzen nicht so, und die Blattnerven laufen nicht bis zum Blattrand, sondern vernetzen sich vorher. Aber die Gewöhnliche Traubenkirsche bevorzugt nährstoffreiche und feuchte-nasse Böden, genau das Gegenteil dessen, was der Hardtwald zu bieten hat. Die Spätblühende Traubenkirsche blüht von Mai bis Juni in Trauben mit unscheinbaren kleinen weißen Blüten.

Sie gehen weiter die Stutenseer Allee entlang. Mal sehen ob Sie noch weitere Rot-Eichen und Trauben-Kirschen erkennen können. Achten Sie auch auf die niedrigen Pflanzen in den Wegsäumen.

In den Säumen entlang des Weges blühen im Mai Seggen. Seggen sind mit den Gräsern verwandt. Es gibt zahlreiche Arten, die oft nur schwer zu unterscheiden sind.
Stellenweise blüht auch Ehrenpreis.

Seggenbestand
Ehrenpreis - Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Nach circa 400 Metern überqueren wir die Rintheimer Querallee und treffen nach weiteren 200 Metern linker Hand auf eine eindrucksvolle Gruppe von Alteichen. 

Foto: U mwelt- und Arbeitsschutz

Im Hardtwald gibt es noch zahlreiche alte Eichen, zum Teil aus der Zeit der Stadtgründung. Es sind beeindruckende Baumgestalten.

Die einheimischen Eichenarten sind die Trauben-Eiche (Quercus petraea) und die Stiel-Eiche (Quercus robur), die sich auf den ersten Blick sehr ähnlich sind. An den Blättern kann man sie unterscheiden.

Bei der Trauben-Eiche ist der Blattstiel etwas länger, bevor sich die Blattfläche bildet. Die Blattfläche verbreitert sich vom Stil aus keilförmig und symmetrisch.

Die Blätter der Stiel-Eiche sind kurz gestielt, am Blattgrund befinden sich kleine, unsymmetrisch Lappen. Einen auffällig langen Stiel haben aber die Früchte der Stiel-Eiche, weshalb sie zurecht den Namen trägt.

Die Blätter dieser alten Eichen sitzen wahrscheinlich zu hoch, als dass man sie genau bestimmen könnte. Auf ihrem Weg kommen Sie bestimmt noch an einheimischen Eichen mit niedrigen Ästen vorbei (z. B. am Parkplatz beim Adenauerring, falls Sie den Weg wieder zurückgehen). Dann können Sie sich die Blätter genauer anschauen.

Roteichen
Alteichen
Besenginster

Anfahrt

Mit öffentlichen Verkehrsmittel:

Mit den Straßenbahnlinien S1, S11, S2, 1, 4 u.a. bis Haltestelle Marktplatz. Nehmen Sie gleich die nächste Straße Richtung Schloss und gehen durch den Schlosspark hindurch, Richtung Wildparkstadion/ Adenauerring. Folgen Sie von dem Adenauerring nach rechts bis zum Stadion. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt die Stutenseer Allee (bis hierher ca. 1,8 km). Die beschriebene Strecke in der Stutenseer Allee beträgt etwa 1200 m.

Mit der Buslinie 30, Haltestelle "Rintheimer Querallee"