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Mehlschwalben – Biwak an der Hauswand

Die Mehlschwalbe ist ein Zugvogel, der im April bei uns eintrifft und uns schon Anfang September wieder Richtung Afrika verlässt. Ihr Nest errichtet die Mehlschwalbe einige Meter hoch an Außenwänden von Gebäuden unter überstehenden Dächern. Sie brütet gerne gesellig. Das Nest wird aus Lehm errichtet, den die Tiere an Ufern oder Pfützen finden und zu Klümpchen formen. Im Mai kann man sie beim Nestbau beobachten. Den kleinen, schnell flatternd fliegenden Vogel, der auf der Oberseite schwärzlich und auf der Unterseite weiß gezeichnet ist, können Sie nicht mit anderen Vogelarten verwechseln.

Foto: H. Dannenmayer

Mit einem Fernglas sehen Sie mehr. Am besten Sie beobachten erst einmal welche Stellen die Schwalben anfliegen. Am liebsten beziehen die Mehlschwalben ein gut erhaltenes Nest aus dem vorigen Jahr oder ein Kunstnest, wenn vorhanden. Sonst wird dort ein neues Nest gebaut oder ein altes ausgebessert. Aus wie vielen Klümpchen besteht ein Nest, was glauben Sie? Die Mehlschwalbe ruft häufig im Flug, wie würden Sie die Stimme beschreiben? Beim Wegfliegen fällt der leuchtend weiße Bürzel auf.

Mehlschwalbennester in Durlach
Fotos: Umwelt- und Arbeitsschutz

Die Mehlschwalbe (Delichon urbica) ist nur rund 12 cm lang und 20 Gramm schwer. Trotzdem legt sie zweimal im Jahr den Weg von Europa nach Afrika südlich der Sahara zurück. Sie ist ein ausgezeichneter Flieger und ernährt sich von kleinen Insekten, die sie im Flug fängt.

In den letzten Jahrzehnten kommt die Mehlschwalbe immer früher im Jahr bei uns an, um 1970 noch Anfang Mai, heute Ende April. Durchschnittlich wird die Ankunftszeit alle zehn Jahre um drei Tage früher, eine Folge des Klimawandels. Das ist ein Vorteil, weil sich dadurch die Brutzeit verlängert. Andererseits vergrößern sich die nordafrikanischen Trockenzonen, die sie bei ihrem Zug überqueren muss, was sicher mit höheren Verlusten verbunden ist. Dies kann auch durch die prognostizierten häufigeren Extremwetterereignisse in der Brutzeit oder auf dem Zug erfolgen.

Wenn sie im Brutgebiet ankommt, bezieht sie ein altes Nest oder baut ein neues, was etwa zwei Wochen beansprucht. Dazu benötigen die Tiere rund 1000 lehmige Erdklümpchen. Das Nest hat die Form einer Viertelkugel mit einem kleinen Einschlupfloch oben, durch das der Vogel gerade noch passt. Das Nest wird innen mit Halmen ausgepolstert, darauf werden drei bis fünf Eier gelegt. Für die Mehlschwalbe wird es immer schwieriger geeignete Stellen wie Pfützen oder Ufer von Gewässern zu finden, wo sie den Lehm sammeln kann. Am besten haftet der Lehm an rauhen, saugfähigen Untergründen, z.B. alten Putzfassaden. Werden synthetische Farben oder Kunststoffverputze für die Fassadengestaltung verwendet, kann die Haftfähigkeit zu gering sein. Mehlschwalben nehmen aber auch gerne künstliche Nisthilfen an.

Fotos: Dannenmayer

Der Bestand der Mehlschwalben in Baden-Württemberg ist seit 1980 um rund 50 % zurückgegangen. In der Karlsruher Innenstadt sind nur noch wenige Nester zu finden. Eher wird man in den Außenbezirken oder Vororten wie Neureut, Hagsfeld, Knielingen oder Wolfartsweier fündig. Die Mehlschwalben sind geschützt, ebenso wie ihre Nester. Auch außerhalb der Brutzeit darf man die Nester nicht ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde entfernen. Wer ein Haus außen sanieren will, an dem sich Mehlschwalbennester befinden, sollte also unbedingt Kontakt mit der Naturschutzbehörde aufnehmen. Geschieht das frühzeitig, findet sich fast immer eine Lösung, ansonsten kann man unangenehme Überraschungen erleben.

Also, lieber vorher fragen: umwelt-arbeitsschutz@karlsruhe.de

Hier können Sie die Mehlschwalbe finden:

So finden Sie den Standort der Mehlschwalbe

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Straßenbahnlinie 1 oder 2 bis Haltestelle Auer Straße. Von dort gehen Sie in Richtung Durlach und biegen nach links in die Pforzheimer Straße ab, dann die nächste Straße nach recht und dann gleich wieder rechts in den Innenbereich der Häuserblocks. An dem hohen Gebäude auf der Parkplatzseite befinden sich die Mehlschwalbennester.   

Mit dem Fahrrad:

Der Standort lässt sich auch mit dem Fahrrad erreichen.