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Wegwarte - Schönheit am Wegrand

Die Wegwarte wäre eine unscheinbare, schwer bestimmbare Pflanze, wenn sie nicht drei Eigenschaften hätte

- auffällige himmelblauen Blüten (3-5 cm Durchmesser)

- sie blüht ab Juli (bis Oktober), wenn die meisten anderen Pflanzen schon verblüht sind

- Sie wächst oft an Straßen- und Wegränder, eben dort wo wir oft vorbeikommen.

Sie ist sehr häufig, weshalb wir auch keine Ortsangaben machen. Die Pflanze ist mindestens 30 cm hoch, sie kann auch über einen Meter erreichen. Blätter wachsen nur in Bodennähe. Bei höheren Exemplaren fallen deshalb die Stängel durch ihren sperrigen Wuchs auf.

Foto: Umwelt- und Arbeitsschutz

Die Wegwarte wächst gerne an Stellen wo durch Bau- oder Deponietätigkeit der Boden verändert, gestört wurde. Typisch sind Straßenränder, Wegraine, Schuttplätze, städtischen Brachflächen. Die Wegwarte ist eine Pionierpflanze. Wird, der Boden aufgebrochen, können ihre Samen, die vom Wind weit verbreitet werden schnell keimen. In alten Wiesen mit einer geschlossenen Pflanzendecke kann sie nicht Fuß fassen. Wächst sie in einer Wiese, ist das ein Zeichen, dass diese relativ jung ist oder dass in einer alten Wiese der Boden verwundet wurde. Dort kann sich die Wegwarte dann aber u. U. jahrelang halten.

Die Blüten der Wegwarte (Cichorium intybus) sollen sich nur morgens öffnen und nur an einem Tag, dann ist sie verblüht. Da müssen sich die Insekten die sie bestäuben, vor allem Bienen und Schwebfliegen, ganz schön beeilen.

Aus den gerösteten Wurzeln der Wegwarte (genauer einer Unterart) kann ein kaffeeähnliches Getränk hergestellt werden. Und weil Zichorie ein weiterer Name die Wegwarte ist (abgeleitet vom wissenschaftlichen Artnamen Cichorium intibus), nennt man ihn Zichorienkaffee.

Im 18. Jahrhundert war der Anbau weit verbreitet. Der echte Kaffee war sehr teuer und der Zichorienkaffee wurde als Ersatz verwendet. In Preußen hat Friedrich der Große den Anbau der Pflanze und den Bau von Zichorien-Fabriken gefördert. Im 19. Jahrhundert war der Anbau weit verbreitet, auch in Baden. Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche fast 1200 Hektar mit 30 Tonnen Ertrag. In Lahr und Durlach gab es Zichorienfabriken.

In Durlach war die Zichorienfabrik in der 1728 erbauten Fayence-Manufaktur (noch vorhanden: Pfinzstr. 66) untergebracht, nachdem diese in den 1820er Jahren aufgegeben wurde.

In den schwierigen Zeiten nach dem 2. Weltkrieg erlebte die Zichorie als Zusatz im Ersatzkaffee eine kleine Blüte (Muckefuck).

Aus den Wurzeln einer anderen Unterart der Wegwarte wird Chicoree-Salat hergestellt. Werden die Wurzeln im Dunkeln gehalten wächst der Chicoree daraus.

 

 

 

Die Wegwarte kommt überall im Stadtgebiet an Straßen- und Wegrändern vor.